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Talar anprobiert: Es fühlt sich gut an

Wie fühlt es sich an, Pfarrer oder Pfarrerin zu sein? Fotosession mit Talaranprobe

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man erstmal hochgezogene Augenbrauen oder ein belustigtes Schnauben bekommt, wenn man erzählt, dass man gerne Theologie studieren möchte. Diesen „Das ist doch nicht dein Ernst“-Blick oder ein ungläubiges „Warum das denn?“.

Ich habe mich trotzdem zu der Orientierungstagung in Wuppertal letztes Jahr angemeldet, zu der alle Schüler/-innen eingeladen wurden, die mit dem Gedanken spielen Theologie zu studieren und sich näher informieren möchten. Ein Wochenende, das aufräumt mit Stereotypen, informiert und berät, so wurde es angekündigt.

„Was sind das wohl für Leute, die sich zu so einer Tagung anmelden? Haben die dann alle selbstgestrickte Pullover an und sind so Ökotanten?“, kamen mir die ersten Zweifel auf dem Weg nach Wuppertal. Wie unfair von mir – ich würde mich selbst ja als „normal“ beschreiben und ich fahre immerhin auch auf diese Tagung -, wie vorurteilig und wie falsch, sollte ich bald erfahren.

Die Antwort auf die Frage, wer sich zu so einer Orientierungstagung anmeldet: Ganz normale Jugendliche, die genau wie alle anderen versuchen herauszufinden, was sie mit ihrem Leben nach der Schule anfangen sollen. Was für eine Erleichterung!

Es gibt sie also wirklich, Gleichgesinnte in meinem Alter, die sich genau wie ich auch mit hochgezogenen Augenbrauen und belustigtem Schnauben befassen müssen, wenn sie im Kreis ihrer Freunde, Verwandten oder Bekannten das Wort Theologiestudium fallen lassen. Das war für mich persönlich eine der wichtigsten Erkenntnisse dieses Wochenendes. Eine die mich ermutigt hat, den hochgezogenen Augenbrauen auch weiterhin zu strotzen und nicht klein bei zu geben.

Zu dem Zeitpunkt hatte ich mein Abitur schon in der Tasche und zwei Praktika beim Radio und bei der Zeitung gemacht, so dass ich mir eigentlich schon 100 Prozent sicher war, ich würde gerne im journalistischen Bereich arbeiten. Dass sich dieser Wunsch auch hervorragend mit einem Theologiestudium vereinbaren lässt, war mir bis dato nicht klar.

Die beiden Leiter der Tagung haben mich ganz offen und sehr persönlich beraten. Wir haben uns lange darüber unterhalten, warum ein Theologiestudium Sinn macht, wie es auf die journalistischen Tätigkeiten vorbereitet und was man in Kombination studieren kann.

Ein Highlight neben all den wirklich hilfreichen Vorträgen, Diskussionen und Gruppenunterhaltungen war der Selbstversuch, bei dem wir uns im Talar fotografiert haben, um zu testen wie sich das Pfarrer/-in sein anfühlt. Es fühlt sich gut an, so viel sei verraten.

Am Ende der Tagung hatte ich das erste Mal seit meinem Abitur das Gefühl, dass ich einen Plan A habe und nicht nur auf Umwegen mein Ziel zu erreichen versuche.

Wenn mir in Wuppertal eins klar geworden ist, dann dass ein Theologiestudium sehr vielfältig sein kann. Und das ist seitdem auch immer meine Antwort, wenn ich doch mal wieder ein belustigtes Schnauben oder ein „Warum das denn?“ zu hören bekomme. Warum? Weil man mit einem Theologiestudium eben nicht nur Pfarrer/-in oder Religionslehrer/-in werden kann.

Kategorie: Blog, Studium, Tagungen

von

Saskia Held

Saskia Held, Jahrgang 1996, ab 2016 Theologiestudentin in Bonn. Im letzten Jahr habe ich erfolgreich mein Abitur hinter mich gebracht. Seitdem habe ich einige Praktika in verschiedenen Redaktionen in den Bereichen Hörfunk und Printmedien gemacht. Seit kurzem habe ich das große Glück als freie Autorin für eine Zeitung schreiben zu dürfen, was mich meinem Traumberuf als Journalistin einen großen Schritt näher gebracht hat. Jetzt freue ich mich allerdings erstmal auf mein Studium der Theologie und auf die vielen großen und kleinen Herausforderungen, die es mit sich bringt.

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