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Büffeln und Staunen im Land des Lächelns

Hier nun mein zweiter Beitrag zum Verlauf des ISJP in Kyoto letzten Winter:
Die erste Hälfte des ISJP, von Oktober bis Weihnachten, lief so ab, dass man wie aus Deutschland gewohnt 12 SWS im Klassenraum verbringt, wobei der Montag frei war und oft für Exkursionen genutzt wurde. Von denen hatten wir gefühlt jede Woche eine, wobei wir entweder mit japanischen Studenten aus allen möglichen Fachrichtungen zusammengeführt wurden, oder die Sightseeing-Spots in Kyoto und Umgebung erkundeten (wovon es mehr gibt als in ganz NRW), oder Vertreter verschiedener Religionen trafen, z.B. von Omoto-Kyou oder Tenri-Kyou. Abschlussprüfungen gab es keine, weshalb manche von uns ausreichend Zeit hatten, auch die Sub- und Popkultur Japans genauer unter die Lupe zu nehmen. Bei der Freizeitgestaltung im relativ anonymen und zurückhaltenden Japan war auch das internationale Studierendenwohnheim, in dem die EMS vier von uns untergebracht hatte, sehr hilfreich. Allein das Zusammenleben mit Japanern, Koreanern, Chinesen, Europäern, Amerikanern, Nepalesen und Madagassen war schon die Reise wert!

Unsere Fächer umfassten neben Buddhismus, Shintoismus, japanischem Christentum und sog. “Neuen Religionen” auch die Theologie der Religionen, sodass man stets religionswissenschaftlich, kirchengeschichtlich, systematisch-theologisch und praktisch-theologisch gefordert war. Unterrichtssprache war Englisch, womit sich manche Dozenten zwar etwas schwer taten, wir dafür aber alle auf etwa dem gleichen Niveau den Inhalten folgen konnten. Diese waren zwar teilweise etwas zäh, wurden jedoch durch die Exkursionen lebendig und anschaulich! Inzwischen habe ich tatsächlich das Gefühl, unter den deutschen Theologen ein Experte für japanische Religiosität zu sein.

Finanziell gesehen ist Japan vielleicht das ungünstigste Land, um ein Auslandssemester zu machen, selbst wenn die Studiengebühren mit 800 Euro für uns weit unter dem Durchschnitt an japanischen Unis lagen. Zum Glück war die EMS aber dabei behilflich, geeignete Stipendien zu finden, sodass zumindest Flug, Studienkosten, Exkursionen und ein Teil der Miete refinanziert wurden. Blieben zwar immer noch die höheren Lebenshaltungskosten, doch positiv betrachtet kommt man nicht nochmal so günstig und mit so viel Freiheit für sechs Monate nach Japan. Und so eine Erfahrung ist letzten Endes sowieso unbezahlbar und zahlt sich später bestimmt aus.

Kategorie: Blog, Studium

von

Luca Bergfelder

Jahrgang 1992, Kindheit und Jugend im Kirchenkreis An Sieg und Rhein, Abitur 2011 an der CJD Christophorusschule Königswinter, danach einjähriger Freiwilligendienst in Jerusalem, 2012 bis 2014 Theologiestudium an der Uni Bonn, seit 2014 in Heidelberg, Zuständig für http://rheinland.interseth.de/, September 2015 bis März 2016 Interreligiöses Studienprogramm in Japan/Kyoto über die Evangelische Mission in Solidarität

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