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Was bedeutet Taufe für Dich?

Viele Fragen, die durch den Raum gingen. Viele Antworten, die aus uns heraus sprudelten, woraus aber nur noch mehr Fragen resultierten. Es war Hauptseminar, eine eigentlich gewöhnliche Sache in meinem Studium, in einem gewöhnlichen Raum der Theologischen Fakultät Münster. Das Thema in diesem Semester: Taufe. Doch mit einem mal wurde nicht nur fachlich diskutiert, sondern ganz persönlich Stellung bezogen.

„Was bedeutet es, ´Getauft zu sein´? Wenn Taufe eine Segnung ist, ist man als Getaufter dann gesegneter als ungetaufte Menschen?“, fragte jemand.

Daraufhin fragte eine andere zurück, ob es überhaupt den Komparativ von gesegnet gebe: „Ist die Schöpfung nicht schon im Vorhinein von Gott gesegnet?“

Ein Dritter vermutet, dass der Mensch nur nochmal sicher gehen will: „Das Kind segnen, d.h. es unter Gottes Schutz zu stellen.”

„Aber man sagt doch, Kinder sind ein ‚Segen‘? Also warum Sie noch zusätzlich taufen?“

„Um sie unter Gottes Schutz zu wissen!“

„Sind denn Ungetaufte nicht unter Gottes Schutz gestellt?“

Die Diskussion ist im vollen Gange.

„Und warum lassen sich Menschen als Erwachsene taufen?“

„Um die bewusste Entscheidung zu Gott kundzutun: Taufe kann als Mitgliedschaftserwerb gedacht werden, um in die Gemeinschaft der Christusgläubigen einzutreten. Mit der Taufe ist ein Mensch nicht nur zu dieser Gemeinschaft zugehörig, sondern vor allem gehört dieser zu Gott.“

„Braucht Gott denn die Taufe, damit wir zu ihm gehören? Oder braucht der Mensch die Taufe zur Abgrenzung von Anderen? Oder zur eigenen Erinnerung an unser Ja zu Gott?”

„Und was ist mit dem Leben nach der Taufe? Ein statischer Raum der Reinheit?“

„Der Getaufte ist bereit gewesen, umzukehren. Nun ist er vom Geist erfüllt, seine Sünden sind abgewaschen, der alte Mensch ist gestorben. Bei Titus lesen wir vom ‚Bad der Wiedergeburt‘, das den Menschen erneuert.“

„Aber ein Getaufter wird von seinem Menschsein nicht gelöst, er ist nicht im endgültigen Zustand der Reinheit, sondern fehlbar, ein Zweifler, der bereit ist umzukehren, aber dennoch ein Mensch. Taufe sollte nicht als statischer Raum, sondern vielmehr als Bewegung gedacht werden, als eine Neuausrichtung des eignen Lebens.“

So ist Theologie: Einerseits Wissenschaft in der Auseinandersetzung mit biblischen Texten und den zahlreichen Positionen diverser Autoren, aber dann wieder ganz persönlich und mit der eigenen Erfahrung gespickt.

Als die neunzig Minuten Seminarzeit herum sind, habe ich mehr Fragen als Antworten:

  • Hat die Taufe den Glauben als notwendige Voraussetzung?
  • Und welche Auswirkung hat das dann auf die Frage nach Kindertaufe und Erwachsenentaufe?
  • Ist an Jesus Christus zu glauben, das einzige Kriterium?
  • Welche Voraussetzungen hat die Taufe überhaupt?
  • Sie ist doch auf jeden Fall frei von den Kategorien Alter, Geschlecht, ethnische Zugehörigkeit, gesellschaftliche Position, oder?
  • Ist die Taufe eine bewusste Entscheidung, ein Ja zu Gott?
    Ist die Taufe als Gottes Ja zum Menschen zu verstehen, als Geschenk Gottes, das den Menschen lebenslang begleitet?
  • Bedeutet Taufe, sich beschenken zu lassen?

Und was glaubst du?

Mein Literaturtipp

  • Dieter Sänger, Taufe, in: L. Bormann, Neues Testament. Zentrale Themen, Neukirchen-Vluyn, 2014.
  • EKD, Eine Orientierungshilfe zu Verständnis und Praxis der Taufe in der evangelischen Kirche, Gütersloh 2008. [Download]
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von

Lynn Kristin Schroeter

Lynn Kristin Schroeter, Jahrgang 1992, geboren in Bonn, Abitur 2012 am Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasium Bonn, ab 2012 Studium der Evangelischen Theologie in Wuppertal, besonderes Interesse gilt der Krankenhaus- und Gefängnisseelsorge und dem jüdisch-christlichen Dialog; einmonatiges Reisestipendium nach Israel im Jahr 2014, seit 2016 Studium der Evangelischen Theologie in Münster.

1 Kommentare

  1. Sebastian Schumacher sagt

    Ich (interessierter Laie und Atheist) habe bisher zwei aktuelle Ansätze zur Taufe gehört: 1.) Sie ist Ausdruck der Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen 2.) Sie ist ein Ausdruck des Geschenk von Gottes Liebe (vermittelt der Gemeinde) an den Täufling. Ich selbst wurde als Säugling getauft, war aber niemals gläubig. Die erste Variante erscheint mir aus dieser persönlichen Warte als unredlich, denn Menschen wie mir wird in diesem Verständnis gegen ihren Willen etwas zugeschrieben, nämlich die Mitgliedschaft in einer Organisation, zu der sie keinen Bezug haben oder die sie sogar ablehnen. Wieso muss ich also später durch einen Kirchenaustritt etwas wiederrufen, zu dem ich nie meine ausdrückliche Zustimmung gegeben habe. Die zweite Variante des Taufverständnisses hingegen finde ich für mich persönlich akzeptabel und sogar sympathisch, denn wer kann schon etwas gegen ein Geschenk haben? Wenn also die Taufe ein Geschenk ist, wenn auch meiner Meinung nach ein bloß eingebildetes Geschenk, dann kann ich mit meiner damaligen Kindstaufe heute als Ungläubiger ganz gut leben und kann sogar “Danke!” sagen: “Danke!” zwar nicht zu Gott, aber doch zu den Menschen, die mich damals tauften und durch diesen Akt ihre Fürsorge und Zuneigung für mich bezeugten.

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