Blog, ThinkTank2030
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Erkundungen

(Fortsetzung von Kirche Knäckebrot)

Wer das Terrain „Zukunft Kirche“ erkunden will, muss sich auf den Weg machen. Beim ThinkTank2030 heißt das „Geo-Storming“, eine Wortneuschöpfung aus Geocaching und Brainstorming.

In Dreiergruppen wandern die Teilnehmer und Teilnehmerinnen sechs Stationen ab. Faltblätter in Briefumschlägen geben den roten Faden vor, an dem sich die Gruppe entlanghangeln und orientieren kann. Die darin enthaltenen Aufgaben leiten zur stillen Erforschung der jeweiligen Orte und Artefakte an, sie ermöglichen mit Hilfe von Fragen Austausch und Diskussion und am Schluss gibt es jeweils eine Aufgabe, die die Teilnehmer und Teilnehmerinnen selber kreativ werden lässt.

Die erste Station der Studentinnen Christiane Trumpp, Dörte Mohme und Sophia Dollan ist eine meterhohe, rostige Stahlkessel-Skulptur. Die drei gehen um den Kessel herum, ertasten die raue Oberfläche, stemmen sich dagegen und langsam entsteht so ein Austausch zu der Frage, wo die Kirche Anker und wo womöglich Ballast ist. „Für Beteiligte“, findet Christiane Trumpp, „kann Liturgie ein Anker sein und für Außenstehende ein Hindernis.“ Sophia betont, dass sie „die christlichen Werte nicht verändern möchte, die Form aber durchaus.“ Und Dörte führt mit ihrer darauf folgenden Frage: „Was sind christliche Werte überhaupt?“ direkt zu den Kernthemen des  Wochenendes.

An der nächsten Station sind Katharina Aylin Müller, Max Melzer und Matthias Engelhard in eine emotionale Diskussion verwickelt. Die Frage ist, ob die Kirche der Zukunft eher zentral oder dezentral organisiert sein wird und an welchen Orten sie wohl stattfinden wird. Dabei sitzt die Dreier-Gruppe vor dem so genannten Abraham Bau, der eher an eine riesige Skulptur erinnert als an ein Gebäude, das vor allem für Musiker und Komponisten gedacht ist.

Geo-Storming
Geo-Storming
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Mit Hilfe von Tablets und Minikameras sollen die Teilnehmer und Teilnehmerinnen an weiteren Stationen und Gebäuden selbst kleine Filme drehen: Ein persönliches Statement zur Zukunft der Spiritualität und eine eigene Vision von kirchlicher Gemeinschaft. Das bewegt Lisa Bender dazu, in dem Rundbau, in dem sie gerade steht, spontan vor die Kamera zu springen, symbolisch auf das offene Kuppeldach und die offenen seitlichen Eingänge zu zeigen. Passend zu der Liedzeile des ostdeutschen Liedermachers Gerhard Schöne: „Das Fenster zum Himmel die Türe zur Welt“. Denn die inspirierte die Gruppe um Lisa Bender, Julia Schmitt und Julia Reddig zu diesem kleinen Film über die „Zukunft der Spiritualität“. Der Wunsch nach einer Hinwendung zur Lebenswirklichkeit der Menschen ist ein Gedanke, der auch die anderen Teilnehmer und Teilnehmerinnen bewegt und der sich durch das Wochenende zieht.

Abends werden dann die Ergebnisse des Tages präsentiert, die selbst gedrehten Filme gezeigt und es wird weiter diskutiert. Wirkungsvoll ist da vor allem die Verschlimmerungsfrage des Dozenten Michael Birgden, was man tun müsste, um das als negativ Empfundene zu verstärken, um die Kirche zu beerdigen. In der Gruppe hört man verzweifeltes Stöhnen und den Ausruf: „Jesus muss wieder kommen!“. Lacher. Aber so leicht lässt sich Birgden nicht abspeisen. Es folgen Zwischenrufe dazu, was die Zukunft der Kirche behindern könnte: „inhaltliche Beliebigkeit“, „fehlender Kontakt zu den Menschen“, „fehlendes Geld“, „zu wenig für Kinder und Jugendliche“, „noch mehr Verwaltungsstrukturen“, „den Sonntag als Werktag aufrufen“. Das wollen die jungen Denkerinnen und Denker alles nicht. So viel ist klar. Student Marcel Schmidt fasst nach einigem Ringen die Grundstimmung in der Gruppe so zusammen: „Eigentlich sind wir ja optimistisch“, schießt es aus ihm heraus, „es rappelt nur gerade und es ist gut, die Probleme anzuerkennen.“

So langsam kommt die Gruppe in Bewegung und die Gedanken fliegen. Und das ist schließlich das Ziel des Wochenendes, das ist „Think-Tank“!

Das volle Leben | ThinkTank2030

Wie steht es um die Zukunft der Kirche und wie sieht die Kirche der Zukunft aus? An welchen Orten wird Glauben sichtbar und wie gestaltet sich die Gemeinde der Zukunft? Welche Rolle spielt die Kirche in der Gesellschaft von Morgen und wie kann sie diejenigen erreichen, die am Rand stehen?

Diese und andere Fragen beschäftigen angehende Pfarrerinnen und Pfarrer bei der
Initiative „Think-Tank 2030“. Gemeinsam entwickeln sie Thesen, Fragen und kreative
Entwürfe zur Kirche von Morgen. Der Think-Tank 2030 ist eine Maßnahme der Kampagne
„Das volle Leben“, die gemeinsam mit der Zielgruppe weiterentwickelt werden soll.

In Zusammenarbeit mit der EKD-Kampagne Das volle Leben veröffentlichen wir nach und nach Berichte und Denkanstöße rund um die Kirche der Zukunft.

Kategorie: Blog, ThinkTank2030

von

Jan Ehlert

Jan Ehlert, 1985 geboren in Essen und dort im Herzen des Ruhrgebiets aufgewachsen. Studium der Evangelischen Theologie in Bonn und Wuppertal, war Vorsitzender beim Studierendenrat Evangelische Theologie sowie Portalleiter bei theologiestudierende.de, war Vikar in der Bonner Friedenskirchengemeinde und Vorsitzender der rheinischen Vikarsvertretung. Heute ist er Pfarrer in Troisdorf und im Landeskirchenamt zuständig für meine.ekir.de und allerhand rund um SocialMedia.

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