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Da sitze ich nun also. In der Bibliothek mit stickiger Luft an diesem wunderbaren Spätsommertag, den ich immerhin beim Blick aus dem Fenster und auf dem Weg zur Mensa genießen kann, vertieft in einen Stapel Literatur.

Der Beginn der Examensarbeit lag für mich die ganze Zeit in weiter Ferne und nun ist die Zeit doch wie verrückt gerast – da geht es mir nicht anders als allen anderen. Lange habe ich mich darauf gefreut endlich wieder wissenschaftlich arbeiten zu können und einen zusammenhängenden Text zu schreiben, nachdem ich monatelang Lehrbücher gewälzt habe. Abwechslung tut gut.

Und deshalb bin ich auch sehr dankbar dafür, meine Lernstapel nochmal beiseite legen zu dürfen, während Studierende anderer Landeskirchen schon jetzt ihre Klausuren schreiben.

Da ist sie also, die “Wissenschaftliche Examensarbeit”. Wie geht es mir damit?

Rational würde ich sagen: Eine Hausarbeit schreiben kann ich ja eigentlich. Das habe ich ja in meinem Studium oft genug geübt – mal mit mehr, mal mit weniger Begeisterung für Fach und Thema. Gut, diese Arbeit hier ist natürlich länger, ich habe einen festen Zeitrahmen und in die formalen Vorgaben der Landeskirche muss man sich erst einmal genau einlesen. Aber sonst ist doch eigentlich alles wie immer, oder?

Nicht ganz.

Eine nicht zu verachtende Sache ist anders als früher: Diesmal geht es tatsächlich um etwas. Während mich bei allen vorherigen Seminararbeiten zwar jedes Mal der Ehrgeiz gepackt hat, hatte ich immer noch den Gedanken im Hinterkopf, dass ein Ausrutscher kein Drama wäre. Schließlich bewerbe ich mich später lediglich mit meinen Examenszeugnissen – wer möchte da schon von mir wissen, mit welcher Note ich mein Philosophicum im dritten Semester bestanden habe? Und genau dieses Gefühl ist nun weg. Denn jetzt bin ich mittendrin und plötzlich zählt es.

Das ist schon seltsam und jetzt kann ich endlich auch sämtliche Kommilitonen anderer Studienfächer verstehen, für die es bei jeder Prüfung – zumindest gefühlt – “um alles oder nichts” ging.

Aber irgendwie hat es ja auch sein Gutes: Denn diese Jahre meines Studiums, in denen ich gefahrlos Anlauf nehmen durfte, bestärken mich darin, nun die Hürde des Ersten Theologischen Examens hoffentlich erfolgreich bewältigen zu können.

Kategorie: Blog

von

Judith Manderla

Jahrgang 1991. Aufgewachsen im kleinen Fleck der EKiR mitten in Hessen sowie im schönen Rheinland in der Nähe von Köln. Abitur 2011 am Erftgymnasium Bergheim, danach Studium der Evangelischen Theologie in Bonn, Wien und seit 2015 in Göttingen. Begeistert von (Kirchen-)Musik insbesondere in Form von Chören mit oder ohne Blechbläsern (aber lieber mit!). 2015 freiwilliges Diakoniepraktikum in einer Behindertenwerkstatt der Diakonie Bethel. Ab Herbst 2016 Examensvorbereitung.

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