Blog, ThinkTank2030
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(Fortsetzung von Kirche Knäckebrot und Erkundungen)

Nach ersten Erkundungen wird es konkret. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen beim Auftaktwochende des ThinkTank2030 sollen sich Handlungsaufforderungen für die Kirche von morgen überlegen. „Wie ein Politiker, der sein Wahlprogramm konkretisiert“, so Dozent und Mediensoziologe Sebastian Pranz, der die Teilnehmer und Teilnehmerinnen zusammen mit dem Grafiker Klaus Neuburg durch das Programm führt. Ein selbstgestaltetes Plakat soll dabei helfen, die Aufforderungen auf den Punkt zu bringen.

Welche Form für welchen Inhalt? Das ist die große Frage, mit der sich sodann alle konfrontiert sehen. Jeweils zu zweit brüten sie, bewaffnet mit dicken bunten Stiften, Pappen und Scheren über großen weißen Flipchart-Blättern auf der Suche nach ‚ihrem‘ Plakat. Sie überlegen, diskutieren, schreiben, zeichnen, verwerfen, verzweifeln, streichen durch, entwickeln neu.

Und endlich stehen die finalen Ideen. Zusammen mit Klaus Neuburg werden sie grafisch umgesetzt und in Plakatform gebracht. Ein XXL-Drucker macht es möglich. Das Ergebnis: kreative Plakate, stolze Teilnehmer und Teilnehmerinnen und viel Diskussionsstoff.

Eine schwarz-weiße Plakatserie spielt mit einem zu vermeidenden Negativ-Szenario. Die Headlines lauten etwa: “Homosexualität ist Sünde“ oder „Nur das Nötigste“ und alle haben den Untertitel „Ist das die Zukunft der Kirche?“ Eine emotionale Diskussion über den „Markenkern der Kirche“ beginnt, und führt Max Melzer dazu zu fragen, was die christliche Botschaft denn genau für die anderen sei. Dazu gibt es viele Antworten. Die von Vikar Tom Siller ist klar: „Wenn ich keine eschatologische Hoffnung mehr hätte, würde ich den Job nicht machen.“ Auf anderen Plakaten spielt der Ruf nach mehr Individualisierung eine große Rolle.

Einige Plakate haben ganz konkrete Einzelforderungen, wie die Abschaffung des § 39 (2) im Pfarrdienstgesetz der EKD. Auf dem Plakat ist der schwarz gedruckte Paragraph mit oranger Sprühfarbe durchkreuzt. Die darin vorgeschriebene Zugehörigkeit der Ehepartner von Pfarrern zur evangelischen bzw. christlichen Kirche, finden sie überholt. „Wir waren sehr empört und haben überlegt, zu kommunizieren: Das ist doch meine Sache!“, so Marcel Schmidt.

Für Katharina Aylin Müller dagegen ist der Verwaltungsüberbau als Zeit- und Geldfresser ein großes Thema, auf das sie mit ihrem Plakat durch ein rotes Stoppschild aufmerksam macht, auf dem „Verwaltung“ steht. Auch, wenn Andere darauf hinweisen, dass Verwaltung natürlich auch notwendig ist und hier viel Expertenwissen sitzt.

Kreativ-Arbeit
Kreativ-Arbeit
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Jetzt hängen sie also an der Wand, die Forderungen für die Kirche der Zukunft. Und nun? Was ist zu tun mit dem Wunsch nach mehr Lebens- und Menschennähe, nach einer Öffnung der Gotteshäuser, einer breiteren Zielgruppenansprache, einem neuen

Selbstverständnis? Umgesetzt werden können diese Zukunftsforderungen nur durch die, die die Kirche in 20 Jahren bestimmen. Durch die Teilnehmer und Teilnehmerinnen selbst! Durch die großen Panoramafenster sieht man, wie sich die Dämmerung langsam über das Gelände der Raketenstation legt, viel Zeit bleibt auch dem Think-Tank nicht mehr. Nun  müssen die Wünsche dingfest gemacht werden. Um verbindlich festzuhalten, was jeder und jede Einzelne tun kann, greift Dozent Sebastian Pranz zu Post-It und Stift. Neben die konkreten Ideen werden die Namen derjenigen geklebt, die sich in den nächsten Monaten darum kümmern möchten. Alle melden sich. Johannes Schneider möchte sich weiter mit der Ökumene beschäftigen und damit, was die evangelische Kirche ausmacht. Lisa Bender meldet sich, um Beispiele für ungewöhnliche Gottesdienste und Gottesbegegnungen zu recherchieren. Max Niessner möchte ein Video-Blog-Format mit kurzen Texten und Clips dazu vorbereiten, wo Kirche in besonderem Rahmen außerhalb von Gotteshäusern arbeitet.

Für dieses Wochenende hat die Denkfabrik genug gearbeitet und ganz schön viel produziert. Aus den zunächst einander fremden Teilnehmern und Teilnehmerinnen ist eine Gruppe geworden, aus Ideen zu Spiritualität und kirchlicher Gemeinschaft Filme, aus Handlungsaufforderungen sind Plakate entstanden und jeder Einzelne nimmt ein Projekt zum Weiterführen mit nach Hause.

Meredith Voßloh, die für unsere rheinische Kirche in Neuss sagt im Rückblick: „Es hat alle motiviert, Gedanken zu haben, die konkreter sind als ‚Lass uns die Welt verbessern‘. Jetzt wissen wir auch wie!“

Was Maredith für sich als Aufgabe mitgenommen hat, davon erzählen wir in einigen Wochen.

Das volle Leben | ThinkTank2030

Wie steht es um die Zukunft der Kirche und wie sieht die Kirche der Zukunft aus? An welchen Orten wird Glauben sichtbar und wie gestaltet sich die Gemeinde der Zukunft? Welche Rolle spielt die Kirche in der Gesellschaft von Morgen und wie kann sie diejenigen erreichen, die am Rand stehen?

Diese und andere Fragen beschäftigen angehende Pfarrerinnen und Pfarrer bei der
Initiative „Think-Tank 2030“. Gemeinsam entwickeln sie Thesen, Fragen und kreative
Entwürfe zur Kirche von Morgen. Der Think-Tank 2030 ist eine Maßnahme der Kampagne
„Das volle Leben“, die gemeinsam mit der Zielgruppe weiterentwickelt werden soll.

In Zusammenarbeit mit der EKD-Kampagne Das volle Leben veröffentlichen wir nach und nach Berichte und Denkanstöße rund um die Kirche der Zukunft.

Kategorie: Blog, ThinkTank2030

von

Jan Ehlert

Jan Ehlert, 1985 geboren in Essen und dort im Herzen des Ruhrgebiets aufgewachsen. Studium der Evangelischen Theologie in Bonn und Wuppertal, war Vorsitzender beim Studierendenrat Evangelische Theologie sowie Portalleiter bei theologiestudierende.de, war Vikar in der Bonner Friedenskirchengemeinde und Vorsitzender der rheinischen Vikarsvertretung. Heute ist er Pfarrer in Troisdorf und im Landeskirchenamt zuständig für meine.ekir.de und allerhand rund um SocialMedia.

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