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Vikarin unterwegs – zu Gast in einer rheinischen Kirche

“♫ Mein Hut, der hat drei Ecken,… ♪”  – wie gut man mit diesem kleinen Lied ein paar Worte Deutsch lernen kann.  An jenem Abend sitzen zehn rheinische Frauen in einem Bungalow um Schokolade, Chips und Haribo herum beinander. Neun Frauen aus der rheinischen Kirche von Südafrika und eine aus der rheinischen Kirche in Deutschland.

So vieles verbindet uns. So vieles unterscheidet uns. So viel gemeinsame Geschichte. So viel getrennte Geschichte. Und heute, an diesem Samstagabend, knapp 100 km von Kapstadt entfernt: alles zusammen. Vergangenheit, Zukunft? Gegenwart!

Einst war es so, dass die „Rynse Kerk van Suid Afrika“ von rheinischen Missionaren gegründet wurde. Seit vielen Jahren ist sie eine selbstständige Kirche. Die Partnerschaft wird seit kurzem wieder neu entdeckt. Auch von mir. Und so bin ich zur Konferenz der rheinischen Frauen in Südafrika gefahren. Insgesamt 90 Frauen sind aus den verschiedenen Gemeinden hier zusammengekommen. Es ist unglaublich spannend. Wir reden über das Buch Ruth und warum es ein Aufhänger für die Probleme von Frauen ist, die sich aus dem jeweiligen Familienstand ergeben. Darüber habe ich vorher noch nie nachgedacht. Vom Leben und Glauben der Frauen in Südafrika zu erfahren ist ein großer Schatz. Es ist beeindruckend, wie mutig viele einfach so ein freies Gebet in der Öffentlichkeit formulieren. Wie sehr der Glaube sie eint – und auch mich mit hinein nimmt in andere Welten und Denkweisen– merke ich an so vielen Stellen über den ganzen Tag hinweg.

Wie wichtig und wertvoll jede Einzelne ist, dass sie nicht alleine sind, und Gott jede mit Namen kennt, wird von den Referentinnen besonders hervorgehoben. Das kann man gar nicht oft genug hören, denke ich. Wie gut das tut. Viele Frauen sind sehr bewegt. Was sie wohl jeden Tag erleben? Warum sie diese Botschaft besonders brauchen? Ich brauche sie auch.

An diesem Samstagabend im Bungalow irgendwo inmitten von Bergen und Wäldern sitzen wir dann da und üben mit bedruckten Haribo-Herzen Kosenamen auf Deutsch: Hasi, Schatzi, Mausi. Wir lachen gemeinsam bis in die Nacht.

Kategorie: Blog, Vikariat

von

Marina Brilmayer

Jahrgang 1988, geboren und aufgewachsen in Bonn, nach dem Abitur Freiwilliges Soziales Jahr u.a. in einer Kinderkurklinik, Studium der Evangelischen Theologie in Leipzig, Wuppertal, Göttingen und Mainz. Fan von Kirchentag, Transparenz, Struktur und Nachdenken. Seit April 2016 Vikarin in Koblenz-Pfaffendorf, d.h. interkonfessioneller Religionsunterricht an einer Berufsschule, Krankenhausseelsorge und taufen, beerdigen, trauen - halt der ganz normale Alltag einer Vikarin.

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