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Tod ist ihr Beruf

“Im Ernst, beim Bestatter?! Musst Du das machen?“ – ich habe den überrascht-abgeneigten Tonfall noch im Ohr. Nicht selten begegnete mir diese Reaktion, als ich davon erzählt habe, dass ich in dem halben Jahr Auszeit, das ich mir zwischen dem 1. Examen und dem Beginn des Vikariats im Herbst genommen habe, auch ein Praktikum beim Bestatter mache. Viele meinen offenbar, dass jemand, der Bestatter wird, schon ein eigenartiger Mensch sein muss, mit dem man freiwillig jedenfalls keinen Umgang pflegt.

Für manche mag es etwas seltsam klingen, dass ich mich freiwillig mit einem so unbequemen Thema wie dem Tod beschäftige. Aber ich denke: Es ist unagenehm, ja, aber genau deshalb tue ich es. Viel zu oft wird doch über Tod und Trauer geschwiegen. Ich will schließlich Pfarrerin werden und als solche sind wir so oft damit konfrontiert, dass es gut tut, sich lieber früher als später damit auseinanderzusetzen. Und vor allem auch noch eine Perspektive zu erkunden, die man sonst kaum einnehmen kann. Was passiert eigentlich alles, bevor Pfarrer und Angehörige vor der hübsch angerichteten Urne auf dem Friedhof stehen?

Mittlerweile weiß ich: So ein Praktikum ist unheimlich bereichernd! Denn wann hat man schonmal die Möglichkeit, bei einem Beratungsgespräch beim Bestatter dabei zu sein, ohne von der eigenen Trauer gelähmt zu sein. Man erfährt so allerhand über die speziellen Wünsche von Kunden, lernt, wie Sarg mit Stoff eingeschlagen wird und Verstorbene eingesargt werden. Und was alles bei einer Verabschiedung oder Trauerfeier vorzubereiten ist und wie man beim Standesamt Sterbeurkunden beantragt.

Für mich ist bei allem erstaunlich, welche organisatorischen Leistungen ein Bestatter zu vollbringen hat: Sämtliche Papiere müssen beantragt oder abgeholt werden, es müssen ein Friedhof, eine Geistliche, ein Organist, ein Sarg oder eine Kremation organisiert werden und auch Blumenschmuck, Trauerkarten, Trauerkaffee, Zeitungsanzeige sollen rechtzeitig zur Stelle sein. Bei alldem, was zu tun ist, finde ich absolut beeindruckend, mit wie viel Respekt und Würde sowohl dem Verstorbenen als auch den Angehörigen in diesem Beruf begegnet wird.

Spätestens durch dieses Praktikum ist mir klar geworden, welch unverzichtbaren Job ein Bestatter macht – und wie unverzichtbar eine gute Zusammenarbeit von Pfarrerinnen und Pfarrern ist. Denn nur so kann es gelingen, den Angehörigen in so einer schwierigen Situation bestmöglich beiseite zu stehen und ihnen Trost zu spenden.

Kategorie: Blog, Praktikum

von

Judith Manderla

Jahrgang 1991. Aufgewachsen im kleinen Fleck der EKiR mitten in Hessen sowie im schönen Rheinland in der Nähe von Köln. Abitur 2011 am Erftgymnasium Bergheim, danach Studium der Evangelischen Theologie in Bonn, Wien und seit 2015 in Göttingen. Begeistert von (Kirchen-)Musik insbesondere in Form von Chören mit oder ohne Blechbläsern (aber lieber mit!). 2015 freiwilliges Diakoniepraktikum in einer Behindertenwerkstatt der Diakonie Bethel. Ab Herbst 2016 Examensvorbereitung.

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