Aus Ehrenamt wird Pfarrberuf: Ist es eine Wende zu Beginn oder zum Ende des Vikariats?

AntwortenKategorie: VikariatAus Ehrenamt wird Pfarrberuf: Ist es eine Wende zu Beginn oder zum Ende des Vikariats?
Diotim Meyer asked 1 Jahr ago

Sehr geehrtes Ausbildungsdezernat,
einige von uns Studierenden sind ehrenamtlich aktiv, und wechseln im Laufe des Studiums nicht nur die Rolle als Fach-Laie zu Fach-Lernende*m*r, sondern wechseln notgedrungen mit Abschluss / Vikariat / Ordination die Rolle von ehrenamtlicher-Aktivität zu pfarrberuflicher-Aktivität – hoffentlich wirklich in dieser Reihenfolge 😉
Manche von uns haben also Ämter in Kirchen-Institutionen übernommen – Ämter, die im Pfarrberuf (auch auf Gemeinde-Pfarrstelle) oft als Dienst-Zeit gesehen werden.
Nun ist die Ämter-Frage auch immer eine Frage des Zeit-Punkts und Zeit-Raums.
Wann beginnt die Wende von Ehrenamt (und damit Ausbildungs-Nachrangig) zu Pfarrdienst (und damit Fortbildungs-Gleichgestellt)? Vielleicht habe ich es mir durch die Worte Ausbildung und Fortbildung, die jeweils eine Über-/Unter-Ordnung bzw. Gleichstellung voraussetzen, selber erklärt.
Die konkrete Frage wäre aber:
Inwieweit darf / sollte (nicht) /  eine Amts-Zeit in das Vikariat getragen werden?
Kann es Berücksichtigung finden? – z.B. wenn das Ausbildungsdezernat und die Ausbildungsgemeinde zustimmen würden – wie beim Gemeindepfarrer auch – kann dem Amt eine Ausbildungs-Gleichstellung zuteil werden? (im Sinne eines gesamt-gemeindlich und Ausbilunds-relevanten Verständnisses, dass Termine für die Weiterarbeit im Amt auch wichtig sein können.)
Gerne schreibe ich auch konkreter.
Gruß und Dank
I.Diotim Meyer

Jan EhlertJan Ehlert Mitarbeiter antwortete vor 1 Jahr

Hallo Diotim,

hast du ein Beispiel, um welche ehrenamtlichen Ämter es geht?

Herzlichen Gruß
Jan

Diotim antwortete vor 1 Jahr

Moin Jan,

Es geht um die Möglichkeit ein bestehendes Amt als Delegierter Junge Erwachsene der EKiR in weiterer Legislatur-Periode anzutreten. Zeit-Faktor (jährlich): ca. 6x Organisationstreffen/-Wochenende (2x), inges. ca. 7-14 Tage Zeit-Aufwand (verstreut über +- alle 2 Monate).

Ich frage, weil es in jetziger Legislatur Schwierigkeiten im Zeitmanagement mit Vikar*en*innen gegeben hat.
Ich möchte einfach um eine Einschätzung seitens der EKiR wissen.

Gruß,
Diotim

Sach mir doch auch Eine*r, dass ich bei dem “Tag”-Feld (bei dem ich i.ü. verwirrt war ob des “Datums” wegen) zwischen mehreren “Tags” nen Komma setzen muss 😀

1 Antworten
Jan EhlertJan Ehlert Mitarbeiter answered 1 Jahr ago

Lieber Diotim,
auch ich habe sowohl im Studium wie im Vikariat einige Aufgaben übernommen, die nicht zum Standardrepertoire gehören. Ich habe das unter anderm gemacht, weil diese Aufgaben und Themen mir wichtig sind. In einem Beruf, dessen Arbeitszeiten nicht fest geregelt sind stellt sich dabei unvermeidbar die Frage, was davon ist eigentlich Freizeit und was davon ist Arbeit? Vermutlich hilft der Begriff Arbeit hier schlecht weiter. Denn das meiste davon ist sehr sicher Dienst. Dienst innerhalb der kirchlichen Strukturen und zu vielem davon ruft mich sogar die Kirchenordung auf, wenn es da heißt die „Mitwirkung der Pfarrerinnen und Pfarrer in kirchlichen Gremien ist Dienst“ und auch „Sie sind zur Zusammenarbeit mit allen in der Kirche Mitarbeitenden verpflichtet.“

Klar ist aber auch: Man kann als Pfarrer oder Pfarrerin nicht alles machen, was gut wäre. Dafür reicht die Zeit leider einfach nicht. Ich komme also gar nicht darum herum Prioriäten zu setzen. Als Pfarrer oder Pfarrerin habe ich auch die Verantwortung diese Prioritäten zum Wohle der Gemeinde mit meinem Presbyterium zu besprechen und ggf. zu verhandeln. Immer mit dem Ziel meine eigene Dienstfähigkeit zu erhalten und die Qualität meiner Arbeit hoch zu halten.

Im Vikariat war meine Priorität bei allen wichtigen und spannenden Aufgaben aber eben auch meine Ausbildung. Ich brauchte gerade Anfangs mehr Zeit für die Vorbereitung am Schreibtisch als mir lieb war, aber es war gut, dass ich sie mir genommen habe. Und auch die Prüfungen brauchen Zeit zur Vorbereitung. Und noch etwas ist im Vikariat wichtig zu bedenken: Damit all die Inhalte mit Gemeindezeiten, Zeiten an der Schule, Examensprüfungen, Vorbereitungszeiten und Seminarzeiten irgendwie in diese dann doch furchtbar kurzen 2,5 Jahre passen, ist das gemeinsame Vikariat von Rheinland, Westfalen, Lippe und den Reformierten sehr stark durchstrukturiert. Schon Urlaub zu nehmen ist eine Herausforderung, weil da doch auch noch spannende Veranstaltungen in der Gemeinde sind, bei denen man gerne dabei sein möchte. Dabei lernt man dann, wenn auch schweren Herzens, „Nein“ zu sagen, denn gerade die scheinbar freien Wochenenden nach einer Seminarwoche, braucht fast immer um sich tatsächlich auch mal zu erholen.

Ich kann mir also gut vorstellen, dass es schwierig wird, eine Reihe von festen Wochenenden im Vikariat unter zu bringen, auch wenn es Dienst sein mag, auch, wenn es sicherlich unglaublich wichtige Arbeit ist, und auch, wenn es wirklich spannende Themen sind.

Ich hoffe ich konnte dir einen ganz subjektiven, aber doch erhellenden Einblick geben.
Viele Grüße
Jan

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