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Theologie? Wirklich? – Das erste Semester als Theologiestudent

Eigentlich wurde ich gefragt, ob ich einen Blogbeitrag über mein erstes Semester schreiben will. Wollte ich auch. Ist aber irgendwie nichts geworden. Und das ist vielleicht auch ganz gut so. Denn nach dem ersten Semester wäre das sicherlich ein (ich formuliere es mal vorsichtig) nicht ganz so positiver Bericht geworden. Jetzt ist es ein Bericht über die ersten beiden Semester geworden.

Ich heiße Tim und bin 19 Jahre alt. Ich komme aus dem beschaulichen Hürth, also quasi aus Köln. 2019 habe ich mein Abi dort gemacht und dann direkt begonnen hier in Wuppertal an der Kirchlichen Hochschule Theologie auf Pfarramt zu studieren. Das war schon lange mein Plan. Für Wuppertal habe ich mich entschieden, weil es weit genug weg von zu Hause war, aber nicht zu weit. Und weil ich hörte, für den Anfang sei es hier ganz gut, gerade wenn man die Sprachen noch lernen muss.

So habe ich also im August letzten Jahres meine erste eigene Wohnung bezogen. Ich hatte mich bewusst gegen das Wohnheim entschieden, was sich für mich immer mehr als gute Entscheidung herausstellt. Ich glaube, für ein Wohnheim muss man der Typ sein. Und mit meinem Ordnungsfimmel bin ich das definitiv nicht. Trotzdem verbringe ich sehr gerne Zeit dort, dazu aber später mehr.
Nun sah ich mich also Ende Oktober im Hebräischkurs von Herrn Ernst sitzen. Jeden Morgen um 8 Uhr. Hebräisch ist eine schöne Sprache und man kann ganz viel mit ihr entdecken. In der Tat. Aber dafür muss man sie lernen. Und das ist alles andere als schön. Es war stressig. Aber es lohnt sich definitiv (daran habe ich während des Semester das ein oder andere Mal gezweifelt). Dieses Semester habe ich das passende Proseminar belegt, und auf einmal ergibt es richtig Sinn, Hebräisch gelernt zu haben.
Aber neben Hebräisch gab es noch ein wenig mehr zu entdecken. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, wie das mit dem Studieren überhaupt funktioniert und wann man was wie zu tun hat, habe ich auch schon ein wenig in die Theologie reinschnuppern können. Und zu meinem Erschrecken musste ich feststellen, dass ich sehr wenig weiß, ganz viel aber erfahren will. Und so habe ich mich dann durch Semester eins gekämpft. Als noch alles normal war.

Nun war das erste Semester also rum und ich hatte (nach bestandenem Hebraicum) erstmal (und endlich) Ferien. Es war ein sehr anstrengendes erstes Semester. Ich fand es unfassbar schwer, mich auf diese neue Lebenssituation einzustellen. Aber viele nette Leute haben mir dabei geholfen. Nicht nur an der KiHo (Kirchliche Hochschule), sondern auch hier in der neuen Gemeinde. Es ist ganz lustig, wenn man sich im kirchlichen Kontext als theologiestudierend vorstellt, dann hat man immer direkt Anschluss und vieeeel Gesprächsstoff. In anderen Kontexten wiederum ist es nicht so cool sich als Theologiestudierender zu outen; da darf man dann direkt Seelsorge betreiben oder sich Rechtfertigungen „anhören“, warum die Leute nicht mehr in die Kirche gehen. Oder man wird gefragt: Theologie? Wirklich? Du bist doch sonst so „normal“. Was mir noch nie passiert ist, ist, dass keine Reaktion kam.
Ich glaube, das macht das Theologiestudium für mich so spannend. Man befasst sich mit Themen, die jeden irgendwie interessieren und beschäftigen. Aber genau das macht es auch immer wieder sehr anstrengend. Es ist schwierig, das Buch (oder dieses Semester den Computer) zu zu klappen und sich nicht mehr damit zu beschäftigen. Theologie nimmt, zumindest bei mir, unfassbar viel Raum ein.

Im zweiten Semester war dann alles ein bisschen anders. Nicht nur, weil alles plötzlich digital und für alle neu war, sondern auch weil die hebräischen Schriftzeichen nun gegen griechische getauscht wurden. Ich bin immer noch erstaunt, wie gut das digitale Lernen doch alles funktioniert hat. Klar, Diskussionen konnten nicht so ausführlich wie in echt ausgetragen werden, und auch die Aufmerksamkeitsspanne war vor dem Bildschirm mitunter etwas kürzer, aber alles in allem hat es funktioniert.
Am meisten fehlen mir die Gespräche zwischendurch. Die, in denen man sich fragt, wie es denn heute geht. In denen man sich über theologische Themen unterhält (oder auch streitet). Ich glaube das ist das, was das Theologiestudium auch ausmacht. Man kann immer seinen eigenen Senf dazu geben.

Während des ersten Semesters habe ich zwischenzeitlich überlegt, woanders hin zu wechseln oder gar den Studiengang zu wechseln. Im Moment bin ich froh, dass ich das nicht gemacht habe. Das Theologiestudium finde ich anstrengend. Ich sehe mich ständig mit mir und meinem Glauben und der Zukunft (und damit auch meiner beruflichen Zukunft) konfrontiert und selbst in meiner Freizeit dreht sich vieles um Theologie und Kirche. Aber ich will gerade nichts anderes tun.

Theologie? Wirklich? Ja. Theologie. Wirklich!

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