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Abenteuer Examen – Aspekte und Hinweise zur Weitung des Horizonts

Der Abschluss eines Studiums ist schon immer ein großes Abenteuer gewesen. Dieser Satz gilt besonders für die vielen Fächer, in denen Vorleistungen nicht auf die Examensnote angerechnet werden und wo es im letzten Studienabschnitt auf alles ankommt. Auch bei der Ersten Theologischen Prüfung ist das der Fall.

„Examenszeit ist Erntezeit“ – diesen schönen Satz sagte ein Professor aus Heidelberg vor vielen Jahren meiner gerade gegründeten Arbeitsgruppe. Und uns allen war damals völlig klar, dass es jede Menge unbestellter Felder für uns gab und wir an vielen Stellen gleichzeitig säen und ernten mussten. Was also tun?

Am Anfang war in diesem Fall nicht das Wort, sondern ein Plan. Und sehr viele Fragen. Wie viel Zeit brauchen wir für die Teildisziplinen? Was und vor allem in welchem Umfang müssen wir lesen? Und wie sollen wir das angehen? Erfahrungen anderer überzeugten uns, dass wir 8-10 Wochen jeweils für AT, NT, KG, ST und PT einplanen müssen. Einschließlich der Ruhephasen und Urlaub würde das ein ganzes Jahr in Anspruch nehmen. Und bei der Literatur half uns ein einfaches Rechenbeispiel, das uns eine Professorin augenzwinkernd gab. Wer sich vornehmen würde, jede Woche fünf theologische Bücher zu lesen und dies 60 Jahre durchhalte, hätte am Ende knapp 15.000 Bücher gelesen und trotz dieser gigantischen Leistung wären das doch nur 5% des Präsenzbestandes der Bibliothek im Heidelberger Theologischen Seminar.  Die Konsequenz daraus war, dass sinnvolle Auswahl und gezielte Lektüre im Rahmen der zeitlichen Vorgaben unsere Leitsätze werden mussten. 

Nächster Schritt war dann die Vergegenwärtigung, dass In der EKiR ausschließlich Essay-Klausuren geschrieben werden. Dafür können im Ausbildungsdezernat immer noch die Klausurthemen der letzten 10 Jahre angefordert werden. Nach deren sorgfältiger Sichtung war uns klar, dass wir Entwürfe vorbereiten müssen, um etwas über Landnahme, Bergpredigt, reformatorische Anfänge, Christologie, neuere Seelsorgeformen und zu anderen repräsentativen Themen schreiben zu können. Und dazu nutzten wir in Auswahl Arbeitsbücher zum Examen, Überblicksliteratur zum Grundwissen und etwa eine Theologie zum Alten und Neuen Testament, damit der Gesamtzusammenhang in Längs- und Querschnitte, der rote Faden, nicht aus dem Blick geriet. Verteilte Aufgaben in der Arbeitsgruppe und das gegenseitige Referieren halfen zur Vertiefung. Und das Schreiben von Übungsklausuren in Eigeninitiative und deren Besprechung im selben Kreis gaben Trittfestigkeit. Und auch die Studienschwerpunkte und die dort erworbenen Leistungen wurden gemeinsam gesichtet und bildeten die Grundlage für die Angaben zu den Spezialgebieten in den mündlichen Prüfungen. 

Diese Aspekte und Hinweise und noch viel mehr werden thematisiert auf dem sogenannten Examenstag, den das Ausbildungsdezernat zweimal im Jahr anbietet. Der rechtzeitige Besuch dieser Veranstaltung, also ca. 2 Jahre vor dem geplanten Eintrittsdatum in das Vikariat, ist nicht zwingend, aber sehr sinnvoll. Auch das gehört zu einem guten Zeitmanagement im Studium, während des Hauptstudiums rechtzeitig den Abschluss ins Auge zu fassen, damit dieser selber gestaltet werden kann und niemand gestaltet werden muss. Und auch über den Examenstag hinaus stehen wir im Ausbildungsdezernat jederzeit mit Rat und Tat zur Verfügung, damit das große Abenteuer Examen gut gelingen kann.

„Des Menschen Herz plant seinen Weg – doch Gott lenkt seinen Schritt“ heißt es in Proverbia 16,9. Nein, alles kann nicht geplant werden. Das zeigen uns eindrücklich in diesem Jahr die Erfahrungen mit der Covid 19 Pandemie. Und selbstverständlich gibt es auch andere Unwägbarkeiten im persönlichen und sozialen Umfeld. Und trotzdem: Eine sorgfältige und verbindliche Planung hilft, dass die Examensphase nicht zur „schlimmsten Zeit“ des Studiums werden muss. Sondern zu einer Phase wird, wo sich der Blick weitet, Zusammenhänge klar und Wissen erweitert werden und der eigene Plan Teil des unendlichen Plans wird, auf den wir hoffen und dem wir vertrauen dürfen. 

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von

Bernd Wander

Bernd Wander, Jahrgang 1960, Studium der Theologie in Wuppertal und Heidelberg, Vikariat und Probedienst zwischen 1990 und 1997, 1992 Promotion, 1997 Habilitation, danach Lehrtätigkeiten an den Universitäten Duisburg und Frankfurt/Main, 2005 apl. Professor für Neutestamentliche Theologie in Heidelberg, ab 2001 im Landeskirchenamt der Evangelischen Kirche im Rheinland als Persönlicher Referent des Präses, seit 2009 Dezernent mit dem Schwerpunkt Erste Theologische Ausbildungsphase

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