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Ninive am Niederrhein oder: Ja, er ist wirklich überall bei uns

Kirche Barmen-Gemarke

Ein kurzer Bericht über den Begrüßungsgottesdienst der Vikarinnen und Vikare im November 2022 von Max Heller.

Am Sonntagnachmittag, 14. November 2021 lud die EKiR ihre sieben Vikarinnen und Vikare gemeinsam mit ihren Mentorinnen und Mentoren sowie – coronabedingt – maximal drei persönlich wichtigen Personen um 15 Uhr in die Gemarker Kirche nach Wuppertal-Barmen ein. Der von Dr. Volker Lehnert und Präses Dr. Thorsten Latzel gestaltete Gottesdienst drehte sich – passend und konsequent – um Berufung und Beauftragung und um die gemischten Reaktionen darauf.

Zum einen stand als Lesung die Berufungsgeschichte Jeremias symptomatisch für die Fragen, die sich praktisch jede/r aus unserem Kurs schon gestellt hatte: Bin ich dafür schon reif? Schaffe ich das, was da auf mich zurollt? Was genau rollt da überhaupt auf mich zu? Wie verhalte ich mich dabei? Auf all diese Fragen gibt uns Gott – wie so oft – nicht die gewünschte, klare und direkte Antwort, aber dafür hat er einen anderen Satz, den er uns mitgibt, und der all diese Fragen und Unsicherheiten auffängt: “Fürchte dich nicht, denn ich bin bei dir und will dich erretten. (…) Siehe, ich lege meine Worte in deinen Mund.” (Jer 1, 8.9b)

Aufgefangen im wörtlichen Sinne war schließlich auch die andere biblische Person, um die sich die sehr persönliche Predigt von Präses Dr. Latzel drehte: Jona. Wie Jeremia stellt auch er sich die Frage, ob er das alles schaffen kann. Nur findet er für sich eine andere Antwort. Für ihn heißt es: Schnell weg von hier! Aber auf seiner Flucht vor dem Wort Gottes lernt er vor allem, dass der Satz an Jeremia fast schon schmerzlich wahr ist: “Ich bin bei dir.”

Das fängt schon damit an, dass er auf dem Schiff einer von vielen, ihm völlig fremden Menschen, ist, die, als der Sturm losbricht, alle zu ihrem je eigenen Gott beten. Lektion eins für Jona: auch in der Fremde ist ER bei mir, mit ihm ist immer wieder zu rechnen. Und unter, mit und von Fremden kann ich lernen, zu Gott zu sprechen. Von und mit anders- und nichtgläubigen Menschen beten lernen. In Gemeinschaft – in der Gemeinschaft des einen – sprichwörtlichen – Bootes, das wir uns alle (!) teilen, sprachfähig werden: eine der großen Aufgaben auf unserem Weg als Vikarinnen und Vikare.

Und es geht noch weiter: frisch über Bord geworfen, ist zwar der Sturm für die Gemeinschaft auf dem Boot vorüber, ist die Panik beruhigt. Aber Jona ist noch immer nicht allein. Er wird verschluckt – nicht vom Landeskirchenamt oder den Mühlen der gemeindlichen oder kirchenkreislichen Gremienarbeit, sondern von einem Fisch, den ER ihm geschickt hatte. Nach drei Tagen im Bauch dieses Fisches, zurück an der frischen Luft, im Licht und endlich auf dem Weg Richtung Ninive, lernt Jona seine Lektion zwei: nicht er selbst bewegt den Fisch, sondern Gott ist es, der ihm den Weg zeigt, auf manchmal recht schräge Art und Weise. Und: Ninive, der Ort, wo Gott uns hinstellt, ist überall, eben auch am Niederrhein, im Ruhrgebiet, dem Rheinland oder in der Eifel.

Dann aber läuft es immer noch nicht so, wie er sich das vorgestellt hatte. Er schmollt, zieht sich zurück, zürnt Gott und der Welt. Und auch hier macht Gott einen Satz aus der Berufungsgeschichte Jeremias wahr: er gibt ihm Worte. Letzten Endes lernt Jona so seine Lektion drei: Gott sorgt sich um alle (!) Menschen. Das ist in übertragenem Sinne nichts anderes als die Zusage an Abraham aus Gen 12, 2: Er sorgt sich um uns und wir sollen diese Sorge weiter tragen. Weil wir gehalten sind, können wir selbst zum Halt für andere werden.

Und genauso haben wir als Vikarinnen und Vikare am Start unseres Weges diese Jona-Lektionen in unser Buch geschrieben bekommen. Die eine Gewissheit, aus uns der die Kraft für diesen Weg wächst, haben die Synodalen in der Gemarker Kirche vor knapp 90 Jahren auf den Punkt gebracht: Verbum Dei manet in aeternum.


Auf dem Foto (v.l.n.r.): Dr. Volker Lehnert, Annalena Prott, Heiko Kruse, Ailish Louise Eickhorn, Max Heller, Natalie Gabisch, Cornelius Brühn, Dorothee Lindenbaum, Präses Dr. Thorsten Latzel

Foto von: Ines von Krüchten

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