Alle Artikel in: Tagungen

Kirche Knäckebrot

Sie sind weit gereist. Ein wenig geschafft, aber mit einem neugierigen Leuchten in den Augen kommen sie an. Achtzehn Schüler und Schülerinnen, Studenten und Studentinnen, Vikare und Vikarinnen aus vierzehn evangelischen Landeskirchen treffen sich für ein Wochenende in der Nähe von Neuss. Noch sind sie sich fremd, aber sie alle beschäftigt eine Frage: Wie sieht die Kirche der Zukunft aus? Wie muss sie aussehen, damit sie weiter relevant bleibt und die Menschen erreicht? Um das zu diskutieren, haben sie sich auf der Raketenstation Hombroich versammelt, einem Ort der Transformation. Hier, wo in der Zeit des Kalten Krieges noch Abwehrraketen standen, befindet sich heute ein Ort für Kunst, ein riesiges Areal, bewachsen mit hohem Gras und wilden Apfelbäumen. Dazwischen steht schlichte Architektur aus rotem Ziegel, mit leeren Räumen, großen Fenstern und unverbautem Blick.   Genau der richtige Ort also für den „Think-Tank 2030“ zum Thema „Kirche der Zukunft“, der richtige Ort für eine kreative Denkfabrik. Denn innovatives Denken und Denken gegen den Strom ist dieses Wochenende erlaubt, ja sogar erwünscht. Dafür, dass das gelingt, sorgt ein …

Weiße Räume im schwarzen Text

Weiße Räume im schwarzen Text? Damit beschäftigt sich die Methode des Bibliologs, welche das Thema der Frühjahrstagung der Theologiestudierenden im Rheinland 2016 in Leutesdorf am Rhein war. Und vermutlich hatten viele Teilnehmer eine genauso geringe Vorstellung vom Thema wie sie jetzt vielleicht der Titel dieses Artikels hervorruft. Nichtsdestotrotz brachten wir Erwartungen mit. Im Studium beschäftigen wir uns vor allem historisch-kritisch mit der Bibel und es fällt schon nach wenigen Semestern schwer, anders an einen Text heranzugehen, ihn aus unterschiedlichen Perspektiven wahrzunehmen. Welche Botschaft will er uns mitteilen? Wie können wir offen sein für Texte ohne unreflektiert zu werden oder sie eben nur historisch-kritisch in ihrer Zeit zu betrachten? Wir wünschten uns, Methoden kennenzulernen, die uns bei der Predigtarbeit helfen oder uns anleiten, wenn uns ein Text scheinbar nichts zu sagen hat. Mit Pfarrerin Susanne Koschmider arbeiteten wir mit verschiedenen Textstellen. Wir haben gemeinsam versucht, uns in die biblischen Personen hineinzuversetzen, sie zum Sprechen zu bringen. Also die weißen Lücken zwischen dem schwarzen Text etwas auszumalen. Das hat die einen mehr bewegt als die anderen. Manche …

Zwischentagung: Anders als erwartet

Was erwartet dich bei der Zwischentagung? Der Einladung zur Zwischentagung für den 24. März 2016 war zu entnehmen, dass das absolvierte Gemeindepraktikum reflektiert werden würde. Neben der Auswertung des Gemeindepraktikums dient die Zwischentagung auch als drittes Beratungsgespräch. Meines Erachtens war die Auswertung im Rahmen der nachbereitenden Veranstaltung an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/ Bethel gut; und mit der Haltung, dass wir Studierenden mit Herrn Wander und Herrn Lehnert ´erneut´ unsere Praktikumsberichte auswerten würden und einem Fragezeichen, was mich nun konkret dort erwarten würde, ging ich zu dieser Tagung. Anders als gedacht, verlief die Tagung ohne Auswertungsbögen; ohne den Bericht zur Hand. Die Auswertung bestand vielmehr darin, sich gegenseitig in der großen Runde von seinen Erlebnissen zu erzählen. Durch den Austausch von überraschenden, inspirierenden, irritierenden und amüsanten Erfahrungen aus dem Gemeindepraktikum anderer Studierender wurde mir klar, wie ich als Pfarrerin nachher meinen Beruf gestalten möchte, oder eben nicht. Die Zwischentagung ermöglichte Gemeinschaft, in der offen und ehrlich über die eigenen Erlebnisse gesprochen werden konnte. Jeder konnte sich einbringen wie er wollte und mit was er wollte; und …

Gute Gespräche

„Ich wünsche uns gute Gespräche“. Egal ob künftige oder derzeitige Theologiestudierende, Vikar, oder Pfarrerin im Probedienst: Diesen Satz hören Sie in jeder Begrüßungsansprache zur Zwischentagung, den Theologischen Prüfungen oder auch der Vollversammlung. Er könnte jedoch auch als Überschrift über den Kontakten zwischen dem Ausbildungsdezernat und den Theologiestudierenden, Vikarinnen und Vikaren stehen, unabhängig davon, ob es sich um ein persönliches Gespräch, ein Telefonat oder diesen Blog handelt. Es beginnt für einige mit der Orientierungstagung in Wuppertal, mit der Vorstellung bei der Superintendentin oder dem Superintendenten und mit dem Aufnahmegespräch im Ausbildungsdezernat. Ihr Gegenüber ist dabei nicht nur „das Amt“, sondern auch eine Person, die Sie kennen lernen und mit Ihnen „ins Gespräch“ kommen will. Wir begleiten Sie über die Jahre mit unserem jeweiligen Schwerpunkt und Fachwissen durch die Ausbildung als Pfarrerin und Pfarrer. Das Angebot zum Gespräch mit den Ausbildungsdezernenten und den Sachbearbeiterinnen und Sachbearbeitern im Rahmen von Tagungen, Konventbesuchen und anderen Gelegenheiten ist ernst gemeint. Sie werden von uns nicht immer die Antwort erhalten, die Sie gerne hören möchten, aber Sie werden immer eine ehrliche …

Talar anprobiert: Es fühlt sich gut an

Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass man erstmal hochgezogene Augenbrauen oder ein belustigtes Schnauben bekommt, wenn man erzählt, dass man gerne Theologie studieren möchte. Diesen „Das ist doch nicht dein Ernst“-Blick oder ein ungläubiges „Warum das denn?“. Ich habe mich trotzdem zu der Orientierungstagung in Wuppertal letztes Jahr angemeldet, zu der alle Schüler/-innen eingeladen wurden, die mit dem Gedanken spielen Theologie zu studieren und sich näher informieren möchten. Ein Wochenende, das aufräumt mit Stereotypen, informiert und berät, so wurde es angekündigt. „Was sind das wohl für Leute, die sich zu so einer Tagung anmelden? Haben die dann alle selbstgestrickte Pullover an und sind so Ökotanten?“, kamen mir die ersten Zweifel auf dem Weg nach Wuppertal. Wie unfair von mir – ich würde mich selbst ja als „normal“ beschreiben und ich fahre immerhin auch auf diese Tagung -, wie vorurteilig und wie falsch, sollte ich bald erfahren. Die Antwort auf die Frage, wer sich zu so einer Orientierungstagung anmeldet: Ganz normale Jugendliche, die genau wie alle anderen versuchen herauszufinden, was sie mit ihrem Leben nach der Schule …