Alle Artikel mit dem Schlagwort: Japan

Interreligiöses Studienprogramm in Japan

In Japan bietet das NCC Center for the Study of Japanese Religions die Möglichkeit für ein englischsprachiges Studienprogramm. In einer Situation, in der Christinnen und Christen immer schon in einem multireligiösen Kontext gelebt haben, entstanden aufgrund dieser gesellschaftlichen Situation theologische Institute, die sich besonders mit dem interreligiösen Dialog befassen und Kontakte zu Vertreter/innen anderer Religionen pflegen. Diese Institute möchten Ökumene verwirklichen. Sie bieten Interessenten aus aller Welt die Weitergabe ihres Wissens und die Möglichkeit, in einem interreligiösen Umfeld Erfahrungen zu sammeln. Dazu gehört auch, sich Kenntnisse darüber anzueignen, wie interreligiöses und ökumenisches Lernen gestaltet und ein interreligiöser Dialog sinnvoll geführt werden kann.

Differenzhermeneutik und Konvivenz – mal ganz praktisch

Schlussendlich der letzte Teil der Trilogie: Theologie auf Japanisch. Der Unterricht in Kyoto wurde mit einer Abschlussfahrt nach Tokyo belohnt, die einen tatsächlich an die guten alten Klassenfahrten in der Mittelstufe erinnerte. Danach hieß es dann „Feiern für die Götter“, und ich rede hierbei vom Geburtstag des Kaisers (23.12.), Weihnachten, Silvester und Neujahr. Letzteres dauert drei Tage, in denen man die Familie besucht, putzt, die Götter des neuen Jahrs willkommen heißt und Unmengen Mochi verpeist (s. Bild). Kurios: Weil der 24. Dezember kein Feiertag ist und somit jeder bis spätabends arbeitet, feiert man Weihnachten halt schon am 4. Advent. Übrigens auch Nicht-Christen, doch für die ist das ganze mehr so ein „Fest der Liebe“, und ich rede nicht von Agape. Von nun an trudelten die ISJPler so langsam aus, manche bekamen noch Besuch, manche absolvierten Praktika. Jedenfalls standen die Zeichen auf Freizeit. In dieser durfte ich zwei Wochen dem anglikanischen Priester meiner Ersatz-Heimatgemeinde über die Schulter schauen, was zweimal  täglich Eucharistie, einen Sonntag voller Gottesdienste und Sunday Schools, Bibelkreise en masse und Kindergärtnerei bedeutete. Dazu …

Büffeln und Staunen im Land des Lächelns

Hier nun mein zweiter Beitrag zum Verlauf des ISJP in Kyoto letzten Winter: Die erste Hälfte des ISJP, von Oktober bis Weihnachten, lief so ab, dass man wie aus Deutschland gewohnt 12 SWS im Klassenraum verbringt, wobei der Montag frei war und oft für Exkursionen genutzt wurde. Von denen hatten wir gefühlt jede Woche eine, wobei wir entweder mit japanischen Studenten aus allen möglichen Fachrichtungen zusammengeführt wurden, oder die Sightseeing-Spots in Kyoto und Umgebung erkundeten (wovon es mehr gibt als in ganz NRW), oder Vertreter verschiedener Religionen trafen, z.B. von Omoto-Kyou oder Tenri-Kyou. Abschlussprüfungen gab es keine, weshalb manche von uns ausreichend Zeit hatten, auch die Sub- und Popkultur Japans genauer unter die Lupe zu nehmen. Bei der Freizeitgestaltung im relativ anonymen und zurückhaltenden Japan war auch das internationale Studierendenwohnheim, in dem die EMS vier von uns untergebracht hatte, sehr hilfreich. Allein das Zusammenleben mit Japanern, Koreanern, Chinesen, Europäern, Amerikanern, Nepalesen und Madagassen war schon die Reise wert! Unsere Fächer umfassten neben Buddhismus, Shintoismus, japanischem Christentum und sog. “Neuen Religionen” auch die Theologie der Religionen, …

日本へようこそ – Willkommen in Japan

Boah…[Mund offen] So geht es wahrscheinlich vielen, wenn sie nach 20 Stunden Flug aus ihrem kleinen Studentenstädtchen in der Megacity Osaka ankommen, umringt von leuchtturm-ähnlichen Wolkenkratzern und mit dem sich langsam bahnbrechenden Gefühl, am anderen Ende der Welt zu sein. Ich bildete da keine Ausnahme. Am 13. September 2015 begann mein Auslandssemester in Kyoto, der tausendjährigen und kulturellen Hauptstadt Japans, wo ich an einem kleinen Forschungsinstitut, zusammen mit sechs anderen Studenten aus Europa und Asien, die japanischen Religionen studieren sollte. Anlass für die Bewerbung für dieses Programm (ISJP), dass von der Evangelischen Mission in Solidarität (EMS) in Stuttgart schon seit über zehn Jahren organisiert wird, war der Wunsch, eine gewisse Distanz zum Theologiestudium in Heidelberg zu gewinnen, endlich mal praktisch und am Menschen die Theorien der Religionswissenschaft zu erproben, und mir den Jugendtraum zu erfüllen, längere Zeit in Japan zu leben. Dafür hatte ich schon zu Schulzeiten Japanisch gelernt und letztes Jahr nochmal damit angefangen, als ich feststellen durfte, dass sich die Existenz als Theologe nicht mit einem Faible für Fernost widerspricht, wovon ich seit …